Antwort 32 zu den 43 wichtigsten Security Controls: Mainframe Security
Haben wir Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz unserer Mainframe-Systeme?
Die Frage „Haben wir Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz unserer Mainframe-Systeme?“ lässt sich nicht mit einem einfachen Ja beantworten. Ein belastbares „Ja“ entsteht erst dann, wenn Mainframe Security als kontinuierlicher Prozess verstanden wird. Wenn Schwachstellen systematisch erkannt, Sicherheitsmechanismen konsequent genutzt und Maßnahmen dauerhaft umgesetzt werden.
Mainframes sind leistungsfähig und zuverlässig. Doch ihre Sicherheit hängt nicht von ihrer Technologie ab, sondern davon, wie aktiv sie geschützt werden. Oder anders formuliert:
Nicht der Mainframe ist sicher – sondern die Art, wie mit ihm umgegangen wird.
Sicherheit beginnt mit Schwachstellenmanagement
Wer den Schutz von Mainframes ernst nimmt, kommt am Schwachstellenmanagement nicht vorbei. Dahinter steckt ein klar strukturierter Prozess: Sicherheitslücken werden identifiziert, bewertet und gezielt behoben.
Im Mainframe-Umfeld bedeutet das jedoch mehr als klassische IT-Scans. Sicherheitsrelevante Schwachstellen entstehen häufig durch veraltete Systemkomponenten, nicht eingespielte Patches oder historisch gewachsene Konfigurationen. Die Bewertung erfolgt typischerweise über strukturierte Prozesse rund um APARs und PTFs sowie durch spezialisierte Analysewerkzeuge, die z/OS, Middleware und Sicherheitskonfigurationen gezielt prüfen.
Das klingt selbstverständlich, ist in der Praxis jedoch oft der Knackpunkt. Denn Sicherheit entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch Kontinuität. Systeme müssen vollständig erfasst sein, Schwachstellen regelmäßig bewertet und Maßnahmen nachvollziehbar umgesetzt werden.
Ohne diesen Prozess bleibt Sicherheit reaktiv – und damit angreifbar.
Die Bedrohungslage hat sich verändert
Mainframes sind heute keine isolierten Systeme mehr. Sie sind eng in moderne IT-Landschaften eingebunden, kommunizieren über TCP/IP, stellen APIs bereit und sind häufig Teil hybrider oder cloudnaher Architekturen.
Damit verschiebt sich auch die Angriffsfläche. Der Angriff erfolgt selten direkt auf den Mainframe selbst, sondern über die Wege dorthin: über Schnittstellen, Identitäten oder angebundene Systeme. Genau diese Übergänge werden zunehmend zum Ziel moderner Angriffe.
Gleichzeitig steigt der Professionalisierungsgrad der Angreifer. Automatisierte Methoden, gezielte Ausnutzung bekannter Schwachstellen und neue Technologien verändern die Dynamik. Auch wenn Mainframes selbst selten direkt im Fokus stehen, geraten sie aufgrund ihres hohen Werts zunehmend unter Druck.
Woran sich echte Sicherheitsmaßnahmen erkennen lassen
Ob Mainframe-Systeme wirklich geschützt sind, zeigt sich weniger an einzelnen Tools als an der konsequenten Umsetzung zentraler Sicherheitsprinzipien.
Ein entscheidender Faktor ist zunächst die Transparenz. Spezialisierte Analyse- und Compliance-Lösungen machen sichtbar, wo Risiken liegen – etwa bei Fehlkonfigurationen oder auffälligen Berechtigungen. Gerade im Mainframe-Umfeld greifen klassische Scanner oft zu kurz, weshalb spezifisches Know-how und passende Werkzeuge erforderlich sind.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Berechtigungsmanagement. Systeme wie RACF, ACF2 oder Top Secret bilden das Fundament der Zugriffskontrolle. Hier wird festgelegt, wer auf welche Ressourcen zugreifen darf. In der Praxis entstehen Risiken jedoch häufig durch historisch gewachsene Strukturen, überprivilegierte Accounts oder unzureichend gepflegte Rollenmodelle.
Auch das Patch- und Maintenance-Management ist ein wesentlicher Baustein. Sicherheitsupdates werden im Mainframe-Umfeld kontrolliert über definierte Prozesse umgesetzt, typischerweise über APARs, PTFs und Werkzeuge wie SMP/E. Entscheidend ist dabei nicht die Geschwindigkeit, sondern die Qualität und Nachvollziehbarkeit der Umsetzung.
Ergänzend dazu ist die kontinuierliche Überwachung unerlässlich. Protokolldaten, etwa aus SMF-Logs, liefern wichtige Einblicke in das Systemverhalten. In Verbindung mit modernen Analyse- und SIEM-Lösungen lassen sich Auffälligkeiten frühzeitig erkennen und bewerten.
Auch die Anwendungslandschaft spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Moderne Entwicklungsansätze, APIs, Unix-Systemdienste oder der Einsatz von Open-Source-Komponenten erweitern die Funktionalität – bringen aber auch neue Risiken mit sich, etwa durch unsicheren Code oder veraltete Abhängigkeiten.
Und schließlich zeigt sich die Reife der Sicherheitsstrategie daran, wie mit Vorfällen umgegangen wird. Klare Prozesse, definierte Verantwortlichkeiten und eine kontrollierte Reaktionsfähigkeit sind entscheidend, um im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben, ohne die Stabilität des Systems zu gefährden.
Integrität ist nicht gleich Sicherheit
Ein stabil laufender Mainframe vermittelt schnell ein Gefühl von Sicherheit. Doch Stabilität bedeutet nicht automatisch Schutz. Integrität beschreibt, dass Systeme korrekt arbeiten und Daten konsistent sind. Sicherheit hingegen bedeutet, dass diese Systeme vor unbefugtem Zugriff und Manipulation geschützt sind. Erst wenn beides zusammenkommt, entsteht ein wirklich belastbares System.
Warum Scannen allein nicht reicht
Viele Organisationen setzen auf Schwachstellenscans, um Risiken zu identifizieren. Das ist sinnvoll, aber nicht ausreichend. Gerade im Mainframe-Kontext liefern Scans oft nur einen Teil des Gesamtbildes. Erst durch tiefergehende Analysen, Konfigurationsprüfungen und strukturierte Reviews wird sichtbar, wie kritisch eine Schwachstelle tatsächlich ist. Penetrationstests können zusätzlich wertvolle Erkenntnisse liefern, müssen jedoch im Mainframe-Umfeld besonders kontrolliert und systemschonend durchgeführt werden. Häufig liegt der Fokus dabei auf Schnittstellen, Netzwerken und angebundenen Systemen. Die Kombination dieser Ansätze schafft ein realistisches und belastbares Bild der Sicherheitslage.
Compliance als Realitätstest
Regulatorische Anforderungen wie DSGVO oder PCI DSS verlangen nicht nur Sicherheit, sondern deren Nachweis. Im Mainframe-Umfeld bedeutet das vor allem nachvollziehbare Berechtigungsstrukturen, auditierbare Protokolle und klar dokumentierte Prozesse. Sicherheit muss nicht nur vorhanden sein, sondern auch überprüfbar. Ohne strukturiertes Schwachstellen- und Compliance-Management wird genau das zur Herausforderung – mit potenziell erheblichen finanziellen und rechtlichen Folgen.
Sicherheit ist eine aktive Entscheidung
Die Frage „Haben wir Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz unserer Mainframe-Systeme?“ lässt sich nicht mit einem einfachen Ja beantworten. Ein belastbares „Ja“ entsteht erst dann, wenn Sicherheit als kontinuierlicher Prozess verstanden wird. Wenn Schwachstellen systematisch erkannt, Sicherheitsmechanismen konsequent genutzt und Maßnahmen dauerhaft umgesetzt werden.
Mainframes sind leistungsfähig und zuverlässig. Doch ihre Sicherheit hängt nicht von ihrer Technologie ab, sondern davon, wie aktiv sie geschützt werden. Oder anders formuliert:
Nicht der Mainframe ist sicher – sondern die Art, wie mit ihm umgegangen wird.


