Der Besuch beim Klerus
10. März 2025
Die Fahrt auf den staubigen, ausgewaschenen Straßen im Norden Ugandas ist wieder mal beschwerlich. Sie verlangen regelmäßig ihr bitteres Tribut. Gleich mehrere Fahrzeuge stehen mitten auf den Straßen mit den üblichen Reifenplatzern.
Mühsam kommen wir immer näher an die Süd-sudanische Grenze, vorbei an Palabek, wo im Westen der Stadt eins der größten Flüchtlingslager für Menschen aus dem Nachbarland entstanden ist. Es kommen täglich immer neue Menschen aus den Kriegsgebieten an.
Wir erreichen endlich das Trainingscenter der Salesianer Don Bosco. Mit dem Orden arbeiten wir von der DATAKOM seit 2023 zusammen und haben 2024 unseren Brunnen #2 im Trainingscenter errichtet.
Wir freuen uns, Ubaldino Andrade (eher bekannt als ‘Father Uba’) wieder zu treffen. Er ist der Leiter des Ordens und unterstützt das nahebei angesiedelte Chapter des UNHCR, die Flüchtlinge möglich gut einzubinden und besonders die jungen Menschen mit praktischer Ausbildungsarbeit auf unterschiedliche Berufe hin vorzubereiten. In typischer Gastfreundschaft bittet er uns einen Platz an. Bruder Hubert, der Schulleiter kommt dazu. Beide berichten von den immer größer werdenden Problemen der Flüchtlinge aus dem kriegsgequälten Sudan.
Jetzt am Ende der Trockenzeit können die Flüchtlinge kaum mehr etwas anbauen. Es gibt nichts zu tun. Man verdient kein Geld und versucht alles, um irgendwie zu Geld zu kommen. So fällen sie wahllos Bäume, um diese zu Holzkohle zu machen, der gängigste Brennstoff in Uganda. Erst neulich haben sie einen großen Mangobaum der Community gefällt, was in Uganda strengstens verboten ist. Die Bäume wachsen sehr langsam, einmal groß geworden spenden sie den Menschen der Community neben den vielen Früchten lebenswichtigen Schatten. Bildervergleiche des UNHCR vor der Flüchtlingskrise und heute zeigen verheerende Verkarstung des einst so baumreichen Gebiets des heutigen, weit erstreckten Flüchtlingslager, welches stetig mehr Fläche verschluckt. Sie kommen ja immer noch, die Flüchtlinge.
Häufig kommen ganze Familien mit ihren Kindern und lassen sie zurück, um sie vor der willkürlichen Brutalität des Krieges zu bewahren. Völlig auf sich alleingestellt, werden die Mädchen in den Camps dann oft im Alter von 12-14 Jahren schwanger, obwohl kein Mann im Haus ist. Sie werden von den umliegenden Nachbarn vergewaltigt. Aus Angst vor Repressalien der Flüchtlings-Communities sagen sie nichts dazu und erdulden ihr Schicksal schweigend.
Father Uba und seine UnterstüzterInnen versuchen, Betreuungsangebote für die Kinder der jungen Mütter zur Verfügung zu stellen, um sie, die sie selbst noch Kinder sind, irgendwie in der Ausbildung halten zu können. Ein Kampf, den Father Uba mit seinem Team selten gewinnt.
Wir besuchen unseren Brunnen und schauen bei der Schule vorbei. Es ist Essenszeit. Hunderte von Schülern stehen in der Reihe, holen sich Reis, Bohnen und Soße aus kleinem getrocknetem Fisch. Ein Festmahl, wenn man das Essen der anderen Community-Schulen vergleicht. Meist gibt es dort nur Maniokbrei, Bohnen oder Reis. Grundnahrungsmittel, eine ausgewogene Ernährung wird auch außerhalb der Schule für die Menschen immer nur Wunschdenken bleiben.
Wir müssen los. Wir haben leider keine Zeit, beim UNHCR oder bei Sister Ziborah und ihrer Schule im Flüchtlingscamp vorbeizuschauen. Wir haben noch einen beschwerlichen, langen Weg vor uns und wir wollen ankommen bevor es dunkel wird.


